Key-Pieces und Schnitte

Viele Modetrends sind ein Versuch, das Unmögliche möglich zu machen. Oder zumindest die Grenzen des Möglichen auszuloten. Das gilt besonders, wenn es um Schnitte, Silhouetten und sogenannte „Key Pieces“ geht – also diejenigen Kleidungsstücke, die sinnbildlich für einen bestimmten Trend stehen und ohne die ein bestimmter Trend nicht umsetzbar wäre. Diese müssen möglichst prägnant und irgendwie besonders sein, damit sie als Marketing-Zugpferd und Kreativitäts-Symbol herhalten können.

Auch im Herbst/Winter 2020/21 gibt es solche Key-Pieces – neben einigen Teilen, die ich eher als zeitlose Klassiker denn Trends bezeichnen würde. Lesen Sie im dritten Teil des Modeflüsterin-Trend-Barometers, auf welche Schnitte, Silhouetten, dekorativen Details und Key-Pieces Sie sich in dieser Saison einstellen sollten…

Das Modeflüsterin-Trend-Barometer für Herbst/Winter 2020/21 wird in 4 Teilen ausgeliefert:

Lang, länger am längsten: Mäntel, Kleider und Röcke erhalten Maxi-Format

Auffällig ist die neue Länge bei Kleidungsstücken. Fast alle Röcke, Kleider und auch Mäntel haben mindestens Midi-, oft jedoch sogar Maxi-Länge.

Manche behaupten ja, die Rocklänge hätte mit dem wirtschaftlichen Wohlergehen zu tun. Dann würde dies bedeuten, dass wir uns in der nächsten Zeit alle besonders warm anziehen sollten…

Wo Ihre ideale Saumlänge liegt, entscheiden Ihre individuellen Proportionen. Während Midi-Röcke die Figur eher stauchen, können Maxi-Röcke die Beine sogar länger erscheinen lassen – sofern sie richtig kombiniert werden.

Zusammen mit einer monochromatischen Farbsäule sind solche Kombinationen zwar auffällig, können aber auch ein Schlankmacher par excellence sein. Kleine Frauen achten dabei darauf, dass die Silhouette schmal bleibt, während große Frauen auch mit Volumen experimentieren können.

Key-Piece (Oversize-)Maxi-Mantel

Viele Modehäuser haben sich zwischenzeitlich von Echtpelz verabschiedet. Fake-Fur besiedelte folglich viele Laufstege. Dabei waren auch äußerst zottelige Varianten zu entdecken – natürlich in der angesagten Maxi-Länge, oft im Oversize-Format und manchmal sogar mit Fransen am Saum (siehe weiter unten).

Dazu kommen – ganz im Sinne der neuen Bürgerlichkeit (siehe Stilwelt 2 aus dem ersten Teil des Trend-Barometers) – zahlreiche “klassische” Mantelschnitte im Blazer- oder Trenchcoat-Stil mit schulterbetonten Silhouetten und Überlänge in Wolltuch- und Kaschmir-Qualitäten.

Mäntel aus Leder ergänzen das Szenario und zitieren den “New-Grunge”-Stil. Aber auch viele Maxi-Wollmäntel – teilweise in bunten Farben – wurden auf den Laufstegen gezeigt (siehe “Statement-Strick” im Teil 2 des Trend-Barometers).

Dass Sie mit solchen Exemplaren auffallen, versteht sich von selbst. Warm sind die Modelle allemal. Bei den Fake-Fur-Mänteln gibt es das Yeti-Feeling kostenlos dazu. Mit einem schwarzen Ledermantel zitieren Sie den düsteren Grunge-Vibe.

Mit übergroßen, überlangen Mänteln mit breiten Schultern aufpassen sollten wieder einmal kleine Frauen.

Sie sind eine größere Frau, eine Exzentrikerin, die die Übertreibung liebt oder einfach eine Modemutige? Dann haben Sie Ihre ideale äußere Hülle für diese Saison gefunden. Nur für wie lange – das ist hier die Frage…

Für Frauen, die schon alle Mantel-Klassiker in passenden “Normal”-Ausmaßen im Schrank haben, könnten die neuen Maxi-Mäntel eine willkommene Abwechslung sein.

Key-Pieces langer Mantel für Herbst und Winter 20/21

Key-Piece Strickkleid

Ein Kleidungsstück, das in mehreren Varianten auf den Laufstegen zu sehen war, verbindet den Maxi-Trend mit dem Strick-Revival: das Strickkleid im Rippenstrick steht sinnbildlich für die schmale, elegante Maxi-Silhouette der Saison.

Ob nun mit einem angeschnittenen Cape, mit Statement-Ärmeln, Fransen oder Cut-outs versehen: der Strickklassiker zeigte sich schon lange nicht mehr in so vielfältiger, kreativer Form. Aber auch die schlichten Modelle in den neuen Grau- und Off-White-Farben werden sicherlich ihre Anhängerinnen finden.

Der einzige, aber beträchtliche Wermutstropfen:

Schmale Strickkleider zeichnen Pölsterchen gnadenlos ab. Für Frauen über 40 dürften sie sich daher nur als Darunter eignen – unter einem Cardigan, einer Weste oder einem Long-Mantel. Das wiederum dürfte einigen Damen über 50 schlichtweg zu warm werden – Stichwort: Hitzewallung!

So schön die elegante Strick-Silhouette auf den Laufstegen anzusehen war, so wenig alltagstauglich ist sie daher für die meisten Frauen mit Pölsterchen oder Cocooning-Aversion. Schade. Seufz.

Die Lösung: Sehen Sie sich nach Strick-Zweiteilern aus Pullover und Maxi-Rock um, deren Silhouette “oben weit, unten schmal” ist! Das greift den Trend auf und ist für viele Frauen deutlich figurfreundlicher…

Key-Pieces Strickkleid für Hebst und Winter 20/21

Experimente mit Volumen

Kein Trend ohne Gegentrend: Während zum einen viele schmale Silhouetten zu sehen waren, wurden an andere Stelle auch exzentrische, voluminöse Kreationen präsentiert. Die Ballonform ist eine beliebte Spielart der Designer. Da werden Stoffe gebauscht und angereiht, bis das Mega-Volumen den Körper fast ganz verschluckt.

Vom Ballonrock über Pullover mit Ballonärmeln bis hin zum Ballonkleid – das sind keine Kleidungsstücke mehr, sondern Kokons.

Die Frage drängt sich auf:

Wollen die so bekleideten Frauen wirklich anderen näherkommen? Kleidung als wandelnder Airbag – eine ganz neue Erfahrung! Die Distanz-Regeln in Corona-Zeiten einzuhalten, ist mit solchen Kreationen auf jeden Fall gar kein Problem mehr…

Key-Piece Ballon-Abendkleid

Das größte Extrem in Sachen Volumen sind die neuen Ballon-Abendkleider: Kräftige Farben und eine Aneinander-Reihung von überdimensionierten, ballonförmigen Silhouetten wirken, als hätte sich das Michelin-Männchen mit Luftpumpen und LSD amüsiert.

Das passiert also, wenn sich Designer austoben dürfen. Macht das nur mich sprachlos?

Falls Sie sich selbst ein Bild davon machen wollen, dann sehen Sie sich mein Pinterest-Board zu den Modetrends für Herbst/Winter 20/21 an – dort finden Sie einige dieser unglaublichen Exemplare.

Key-Pieces mit Ballon-, Puff- und Keulen-Ärmeln

In dieser Rubrik finden sich gleich mehrere Kleidungsstücke – eigentlich alles, was an den Schultern und Ärmeln etwas aufgeplustert erscheint, gehört zu den Key-Pieces der Saison.

Es ist ein Look, der sich bereits über mehrere Saisons angekündigt hat und jetzt neben Blusen und Blusentops auch Strickwaren, Blazer, Kleider, Mäntel und einfach alles andere, was man so obenherum trägt, erfasst. Insider sprechen dabei auch vom „80er-Jahre-Power-Dressing“.

Was Sie über solchen Mega-Schultern und -Ärmel darüber tragen können? Siehe nächstes Key-Piece…

Key-Pieces mit Trend-Schnitt betonte Schultern und Ärmel

Key-Piece Cape, Umhang, Quilt oder Stola

Das ist eigentlich logisch und konsequent: Über Kleidung mit Ballon-Silhouette passt nicht mehr viel zum Wärmen. Außer: ein Cape, ein Umhang, ein Quilt oder eine Stola.

Folglich wurde das Cape bzw. der Umhang und alle möglichen Varianten davon, die Frau sich einfach über die Schulter legen kann, aus der konservativ-bürgerlichen Garderobe gleich mit zum Modetrend befördert.

Praktisch? Nicht wirklich…

Aber kein Nachteil ohne Vorteil: Sie dürfen zum Abendkleid jetzt wieder ihre Seidenstola herausholen, ohne spießig zu wirken! Aber: Drapieren Sie sie asymmetrisch und fixieren Sie sie mit einer auffälligen Brosche oder Ziernadel!

Tayloring oder die feminine Silhouette kommt zurück

Neben lang und schmal oder mega-aufgeplustert gibt es schließlich noch den dritten Trend, wie Designer in dieser Saison ihre Silhouetten gestalten: Die Wiederentdeckung der femininen Körperform mit ihrer typischen Taillierung.

Dies hat zur Folge, dass Schneidern – „Tayloring“ – wieder angesagt ist. Denn: Um den Kurven der weiblichen Figur mit Stoff zu folgen, ist eine gewisse Schnittkunst notwendig. Genau diese traditionelle Kunst der Maßschneiderei ist es, die in der Stilwelt „Bourgeoisie“ zelebriert wird.

Klassische Blazer, locker sitzende Bundfaltenhosen, Bleistift- oder Faltenröcke und Blusen – allen voran das gute alte Herrenhemd! – werden wieder hoffähig. Alles sieht so aus, als wäre es auf den Leib geschneidert, mit akzentuierter Taille.

Und: Passend zum Lingerie-Stil wurde auch das Korsett – der Inbegriff für schlanke Taillen – wieder gesichtet!

Key-Piece Kostüm

Der Inbegriff der neuen Bürgerlichkeit und klassischer Femininität ist das Kostüm. Dieses löst den Hosenanzug als weiblichere Variante des traditionsreichen Zweiteilers ab. Das bedeutet: Alle Kombinationen aus längerem Rock mit Blazer und Hemd sind up-to-date – solange die Silhouette tailliert ist oder zumindest mit einem Gürtel zusammengehalten wird.

In welcher Stofflichkeit die Kostüm-Parade stattfindet, entscheiden Sie: Von kariertem Wolltuch bis zu Leder-Kombis ist alles möglich.

Auch bei den Schuhen zum Kostüm gibt es jetzt moderne, coole Alternativen: Neben Stiefeln aller Art sind flache Herrenschuhe, Kampfstiefel und Chelsea-Boots mit sehr dicken Sohlen zu Midi- und Maxi-Röcken tragbar.

Wichtig dabei:

Der Stil soll entweder britisch-ländlich, französisch-schick, extravagant-edgy, avantgardistisch oder sexy daherkommen. Die Schwierigkeit für Frauen im reiferen Alter dürfte folglich darin liegen, trotz Faltenrock und dicken Sohlen dem Matronen-Fettnäpfchen zu entkommen.

Das ist aber für Sie eine leichte Übung oder?

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Viel Wind um einen weißen Kragen

Eines der Schnitt-Details, das fast überall auf den Laufstegen zum Einsatz kam, war der weiße Kragen. Und zwar möglichst über einem dunklen Untergrund.

Dabei gab es zahllose Varianten:

  • Der Bubi-Kragen oder Peter-Pan-Kragen mit seiner kleinen Rundung: ein Überbleibsel aus der Kinderkleidung, das in den 40er und 50er Jahren seine Hochzeit in der Damenmode hatte.
  • Der viktorianisch anmutende Kragen: eine Art großes Rechteck, das auf der Schulter liegt und aufwändig mit Rüschen und Spitze verziert ist.
  • Alle Arten von gebogenen, gerundeten Umlege- oder Steh-Kragen-Varianten, die Sie ganz entfernt an das ehemalige Spitzen-Deckchen vom Beistelltisch erinnern.

Viele dieser Krägen werden hochgeschlossen getragen (oder sind ohnehin Steh-Krägen mit Rüschen) und sind damit ein höchst braves, „sittsames“ Mode-Element, fast wie aus einer anderen Zeit. Klosterschülerinnen kommen in den Sinn. Das Weiß der Krägen unterstreicht den unschuldigen Charakter dieses Schnitt-Details.

Ob und wie Sie das als erwachsene Frau in Ihren Look integrieren? Schwierig!

Ich rate zu einem starken Stilbruch, falls das in Ihrer Stil-DNA liegt. Ansonsten würde ich bei diesem Trend maximal mit einem losen Kragen zum Umbinden experimentieren, den Sie über Ihre „normalen“, dunklen Looks legen.

Wirkt das Ganze etwas streng, edgy, modern oder boho-mäßig cool, haben Sie grünes Licht für diesen Trend.

Wenn Sie sich im Spiegel als Ihre viktorianische Urgroßmutter wiedererkennen, nichts wie weg damit!

Cut-outs oder die Kunst des Weglassens

Ein weiteres Schnitt-Detail, das die Designer derzeit fasziniert, sind Cut-outs – also Körperzonen, in denen der Stoff scheinbar „ausgeschnitten“ ist und die Haut sichtbar wird. Auch das ist nicht neu, wird aber besonders bei Abendmode wieder verstärkt eingesetzt. Und bei den oben erwähnten Strickkleidern.

Klar ist: Solche raffinierten Hautblitzer sind auch für Frauen über 40 eine gute Methode, sexy zu sein. Aber natürlich nur, wenn die Cut-outs an der richtigen, vorteilhaften Stelle platziert sind. Da habe ich leider auch ganz, ganz ungünstige Stellen gesichtet…

Meine Empfehlung dazu lautet: Cut-outs an den Schultern haben noch keiner Frau über 40 geschadet und sind bei festlicher Mode durchaus auch im Winter tragbar. Cut-outs in der Taillenzone? Nur wenn Sie ein Abo im Fitness-Center haben, das Sie auch nutzen 😉

Key-Pieces des Modetrends Fransen, Cut-outs, Schleifen

Von Schluppen und Schleifen – eine Ode an die Femininität

Es ist eigentlich ganz egal, wo und wie sie dieses dekorative Detail einsetzen: Hauptsache, es gibt etwas zu schlingen oder zu binden. Die Schleife ist endgültig zurück. Und zwar wirklich überall: Nicht nur an zarten Schwanen-Hälsen, sondern auch als Dekoration an jeder erdenklichen Stelle auf Kleidern, Röcken, Blazern und Schuhen.

Ganz vorzüglich passen Schleifen natürlich zu den angesagten weißen Krägen und fügen dort noch ein Quäntchen Lieblichkeit hinzu.

Wenn Sie es lieber nicht ganz so feminin mögen, dann ersetzen Sie die Schluppen durch schwarze Schleifen, die eher an einen Gentleman im Wilden Westen erinnern denn an eine Gouvernante. Fertig ist ein äußerst leicht herzustellender Trend, der nicht viel kostet und einfach nur Spaß machen darf.

Übrigens: Ganz lässige, coole Frauen tragen ihre Schleife eher wie eine Krawatte, die nach einer durchzechten Nacht dann auch mal ganz tief im Ausschnitt hängen darf…

Fransen sorgen für gute Schwingungen

Was könnte besser für gute Schwingungen sorgen als ein paar freche Fransen? Und wer möchte nicht von guten Schwingungen eher ein bisschen mehr? So oder so ähnlich könnten die Modedesigner gedacht haben, als sie die neue Herbst-Winter-Mode kreierten.

Denn Fransen werden in nahezu jedem Material umgesetzt. Da schwingen nicht nur dezente Seidenfäden oder Leder, sondern sogar Teddyfell darf sich dekorativ teilen und ein bewegliches Eigenleben führen.

Tatsächlich gibt es fast nichts mehr in der Mode, was nicht zu Fransen verarbeitet werden kann. Entsprechend vielfältig sind auch die Assoziationen, die von Fransen ausgelöst werden: vom Amüsement der 20er Jahre über Winnetou- und Wildwest-Atmosphäre bis hin zum zotteligen Fossybär.

Und dann gibt es noch die sexy Variante der Fransen – beispielsweise, wenn sie in Form von hohen Mehrfach-Schlitzen an Midi-Röcken daherkommt oder als Glitzerfransen am Rocksaum etwas mehr Bein durchblitzen lässt.

Achten Sie einfach darauf, wie festlich, fein, lässig oder robust die Fransen gearbeitet sind und welche Areale sie vielleicht freilegen und Sie erhalten eine gute Einschätzung, welche stilistische Wirkung sie haben. Alles klar?

Mit diesen besonderen modischen Schwingungen kommen wir zum Ende des dritten Teils des Modeflüsterin-Trend-Barometers für Herbst/Winter 2020/21.

Was hat Ihnen gefallen? Was wird sicherlich niemals in Ihren Kleiderschrank einziehen? Schreiben Sie mir Ihre Lieblinge oder Mode-Schrecken in einem Kommentar!

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