Schwarz ist als dunkle Farbe natürlich traditionell eine Farbe für die Herbst- und Wintermonate. Schwarze Schuhe, Taschen, Hosen und Röcke, aber auch Mäntel und Kleider werden bevorzugt in der kalten Jahreszeit getragen. Denn sie absorbieren Licht und halten warm. Und sie werden kaum schmutzig, widerstehen schlammigen Straßen und verregneten Landschaften am besten.

Aber wie sehen die Designer die Farbe Schwarz? Wie integrieren sie Schwarz in ihre Kollektionen? Welche Stile setzen sie aktuell damit um? Ich habe mal in den Fashionshows gegraben und folgende grundsätzliche modische Konzepte für Looks in Schwarz zutage gefördert:

Trend 1: Minimalistisches Schwarz-Weiß mit extravaganten Silhouetten

Auffällig ist, dass viele Modedesigner sehr pure, minimalistische Looks in Schwarz oder im Schwarz-Weiß-Kontrast auf die Laufstege schicken. Dabei sind viele sehr interessant geschnittene Stücke dabei, die mit ihren extravaganten, oft sogar dramatischen Silhouetten ein avantgardistisches Flair versprühen. Das ist Mode wie ein Scherenschnitt.

Beispiele dafür habe ich hier gefunden:

  • Calvin Klein wird zwar in dieser Saison etwas dekorativer als sonst, bleibt aber auch seinen schlichten, cleanen Silhouetten treu. Wie beispielsweise bei seinen schwarzen Hosenanzügen, die entspanntes Understatement pur versprühen.
  • Auch Aquilando Rimondi schwelgt im Purismus, der an die 90er Jahre erinnert, wie dieser Mantel, aber auch viele weitere Looks seiner Show zeigen.
  • Das Label “1205” hat sich ebenfalls dem puren Schwarz-Weiß-Look verschrieben und hat dazu lässige, aber extravagante Silhouetten designt.
  • Etwas glamouröser, aber nicht weniger extravagant und schwarz geht es bei William Fan zu. Er zeigt Looks mit Schwarz-Gold, Fransen, Quasten und Glitzer, die an die gute alte Disco-Zeit in New York City erinnern. Zwei Beispiele verdeutlichen dies: eine goldene Glitzerhose mit schwarzem Top und eine Blusen-Hosen-Kombination mit applizierten Glitzersteinen.
  • Bei überzeichneten, exotischen Silhouetten macht auch Jacquemus mit. Das Label ist für seine dekonstruierten Kleidungsstücke bekannt. Diese werden in dieser Saison ebenfalls in Schwarz-Weiß umgesetzt.
  • Wie zerlegt und wieder zusammen gesetzt wirken auch die schwarzen Kleider von Ports 1961, hier sehen Sie ein solches fragmentiertes Exemplar.
  • Und noch ein Mitspieler mit avantgardistischen Kompositionen und extremen Silhouetten heißt Ellery.

Trend 2: Androgyner Herrenstil mit viel Schwarz

In dieser Saison klauen sich die Frauen nach Herz und Laune alles, was der Herren-Kleiderschrank so hergibt. Androgyne Eleganz heißt das dann. “Gentlewoman” sagen die englischsprachigen Journalisten dazu.

  • Auch Calvin Klein macht bei diesem Trend mit und schickt seine Models mit Stoffen im Herrenstil, oft schwarz-grau-kariert, über den Laufsteg.
  • Und Ann Demeulemeester zeigt vor allem Gehröcke, Westen, Herrenhosen und Schnürschuhe in ihren avantgardistischen Looks in Pechschwarz. Auch das ist eine wunderbar beeindruckende Show.
Schwarze Hose, schwarzer Pulli, schwarzer Mantel: pur, lässig und mit einer großen Prise Androgynität.

Schwarze Hose, schwarzer Pulli, schwarzer Mantel: pur, lässig und mit einer großen Prise Androgynität.

Trend 3: Schwarzes Leder

Schwarzes Leder ist überall zu sehen – auch in allen weiteren, hier genannten Looks ist es in irgendeiner Art präsent: als Gürtel, Mantel, Schnürschuhe, Bustier, Wickelrock oder eben auch als zentraler Bestandteil der Kollektion.

  • Auch bei diesem Trend ist Calvin Klein ganz vorne mit dabei. Er zeigt Anzüge, Kleider und Mäntel in schwarzem Leder – ganz so, als ob er damit keine Tierhaut, sondern Stoffe verarbeiten würde.
  • Ralph Lauren legt noch einen drauf: Er verarbeitet Leder sogar in Rüschen. Und gibt dem Ganzen damit ein Flair von “Queen-Victoria-Schwarz”.
  • Louis Vuitton nutzt schwarzes Leder dazu, seinen Models den Anschein moderner Amazonen zu verleihen. Die Kleider, Brustpanzer, Military-Jacken und Lederhosen des Labels sowie die Kampfstiefel dazu lassen keine andre Interpretation zu: hier tobt eine Schlacht. Dennoch: Die stark taillierten, schwarzen Lederjacken, die eigentlich ein Blazer sind, jedoch mehr wie ein Panzer wirken, sind eine Wucht.
  • Dem gegenüber zeigt Chloé, dass schwarzes Leder noch immer und vor allem für einen Look stilgebend ist: den Biker Chic – besonders, wenn das Leder mit Streifen in Rot und Weiß abgesetzt ist und somit an eine Motorrad-Kluft erinnert.

Trend 4: Zwischen schwarzen Paradiesvögeln und Gothic Chic

Dieser Trend ist eine Explosion von Materialien, Formen und dekorativen Details. Aber eben alles in Schwarz. Da treffen sich Spitze, Stickereien, Schnürungen, Fransen, Federn, Pailletten, Perlen, Brokat- und Tweedstoffe sowie Leder, Samt und Seide in einem einzigen, fulminanten Mix, der eine Frau zum Gesamtkunstwerk werden lässt. Schwarze Paradiesvögel. Gruftige Zigeunerinnen. Geheimnisvolle Nachtschwärmerinnen. Nostalgische Verführerinnen. Ach, machen Sie sich einfach selbst ein Bild von dem, was ich meine…

  • Elie Saab kreiert mit seinen Looks aus Spitze, Stickereien, Schnürungen, Fransen und schwarzem Leder etwas, das in der Madame-Redaktion “Magie-Gothic-Gypsy-Grunge” bezeichnet wird.
  • Bei Erdem glitzert dunkles Brokat, rascheln schwarze Rüschen, glänzen florale Stickereien auf schwarzem Grund und schwingen Säume, als wollten sie von vergangen Zeiten erzählen.
  • Auch Dolce & Gabbana ist der Anziehung von schwarz-goldenem Brokat erlegen, beispielsweise in diesem Traum von Mantel.
  • Marc Jacobs übt sich in der Kombination von schwarzen Federn, Pailletten, Fell und Glitzer, addiert voluminöse Spitzenkragen zum weiten, schwarzen Rock und macht auch sonst alles, um seinen schwarzen Gothic Chic zu schillernden, glamourösen Kreationen werden zu lassen.
    Besonders beeindruckt hat mich vor allem dieser Mantel in Blau-Schwarz, der nicht nur zeigt, wie gut die beiden Farben zusammen passen, sondern der das Model zum düsteren Paradiesvogel mutieren lässt. Aber einem göttlichen.
    Und auch dieses Outfit aus Tweed, Fransen und Federn ist absolut sehenswert.
  • Sogar der reduzierte Stil von Giorgio Armani kann nicht anders, als diesen Trend zumindest dezent zu interpretieren. Giorgio schickt seine Models in weich fallenden, schwarzen Samthosen mit Blazern aus Tweed oder mit glamourös bestickten schwarzen Jacken ins Rampenlicht.
  • Und schließlich zeigt Chanel, dass der klassische Schwarz-Weiß-Look auch mit Rüschen, Schleifen, Federn, Fransen und unendlich vielen Strängen von Perlenketten aufgemöbelt werden kann. Im Zentrum der Kreationen steht natürlich – wie immer – der Chanel-Tweed. Dieses Mal aber erstaunlich häufig in Schwarz!

Und damit sind wir am Ende meines schwarzen Mode-Reigens angelangt. Trotz aller neuen Trends, wage ich eine Vorhersage: Das Kleine Schwarze wird bleiben. Vielleicht wird es in dieser Saison ab und zu durch einen schwarzen Jumpsuit ersetzt. Oder mit einem zeitlosen, schwarzen Damensmoking á la Yves Saint Laurent.

Noch mehr Lust auf Schwarz? Dann sehen Sie hier, wie meine Blogger-Kolleginnen und ich das Kleine Schwarze tragen. Und ein Radio-Interview mit der Modeflüsterin gibt es auch dazu.