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The Dressmaker: ein Film über die Macht der Kleidung - Rezension der Modeflüsterin.
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Wenn ein Film „The Dressmaker – die Schneiderin“ betitelt ist, dann erweckt er meine Aufmerksamkeit. Wenn darin auch noch die wunderbare Kate Winslet die Hauptrolle spielt, muss ich ihn mir ansehen. Und wenn mich dieser Film dann auch noch künstlerisch überzeugt, dann muss ich ihn Ihnen einfach vorzustellen. Lesen Sie also heute die Film-Rezension von „The Dressmaker – die Schneiderin“.

Wenn Sie sich für Kate Winslet, Liam Hemsworth, fantastische Schneiderkunst, die Mode aus den 50er Jahren und eine wirklich außergewöhnliche Geschichte erwärmen können, dann ist dieser Beitrag für Sie.

Die Geschichte von „The Dressmaker“: Von Schuld, Sühne und einem außerordentlichen Talent

Im Film spielt Kate Winslet eine talentierte Schneiderin, die nach vielen Jahren wieder in ihre alte, australische Heimat – einem kleinen, verstaubten Dorf mitten im Nirgendwo – zurückkehrt. Aus dieser wurde sie als kleines Mädchen vertrieben, nachdem ihr vorgeworfen wurde, einen kleinen Jungen getötet zu haben.

Nur mit einer Nähmaschine bewaffnet kommt Tilly in ihrer düsteren Vergangenheit an.

Nur mit einer Nähmaschine bewaffnet kommt Tilly in ihrer düsteren Vergangenheit an.

Der Film beginnt, als Myrtle „Tilly“ Dunnage alias Kate Winslet irgendwann in den 50er Jahren in das einsame Nest Dungatar anreist – mit im Gepäck: ihre Erfahrung als Schneiderin in den exklusivsten Modehäusern von London, Mailand und Paris sowie eine Nähmaschine.

In Rückblenden wird schnell klar, dass sie gekommen ist, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen und einen Rachefeldzug anzutreten. Denn die Dorfbewohner haben ihr einst schlimmes Unrecht angetan.

Doch zuerst gilt es, den Zwist mit ihrer Mutter „Mad Molly“, gespielt von Judy Davis, beizulegen. Denn auch diese glaubt an die Schuld der kleinen Tilly und hat es nicht verhindert, dass ihre Tochter damals weg geschickt wurde.

Dabei musste Molly als ledige Mutter selbst erfahren, wie es ist, von der guten Gesellschaft ausgestoßen zu werden. Als von allen spöttisch verachtete Einsiedlerin lebt sie in ihrem baufälligen, herunter gekommenen Haus am Rande der Stadt.

Tillys Ankunft versetzt die Bewohner von Dunnage in Aufruhr. Denn diese haben durch ihre Lügen und Intrigen – heute würde man sagen: durch gezieltes Mobbing – dazu beigetragen, dass Tilly als vermeintliche Kindermörderin ins Heim gesteckt wurde.

Dabei erfährt der Zuschauer auch so Einiges, was sich hinter den Kulissen der wohlfeinen Gesellschaft abspielt.

Tilly ist eine talentierte Schneiderin und Designerin, die an der Nähmaschine wahre Wunder vollbringt.

Tilly ist eine talentierte Schneiderin und Designerin, die an der Nähmaschine wahre Wunder vollbringt.

Gezielt geht Tilly daran, das Misstrauen der Nachbarn zu überwinden. Dabei hilft ihr ein großes Talent: ihre Handwerkskunst als Mode-Designerin und -Schneiderin.

Mit sagenhaft verführerischen Kleidern versteht sie es, selbst aus der farblosesten, grauen Maus eine sexy Sirene zu zaubern. Ihre Entwürfe, inspiriert von Dior und Vionnet, verleihen den Frauen die Macht der Verführung – eine Fähigkeit, die ihnen dabei hilft, im Geschlechterkampf Oberwasser zu gewinnen und die gesellschaftlichen Mechanismen der elitären Kreise zumindest teilweise außer Kraft zu setzen.

Gleichzeitig verliebt sie sich in den Dorfbewohner Teddy (gespielt von Liam Hemsworth) – einem Adonis von Mann – und so entspinnt sich parallel zur Haupthandlung die Liebesgeschichte zweier Außenseiter. In Teddy findet Tilly einen Unterstützer, der ihr bei den Anfeindungen aus der Dorfgemeinschaft heldenhaft zur Seite steht.

Soweit das konfliktreiche Setting des Films. Den Rest der Geschichte darf ich Ihnen hier nicht verraten. Denn das Filmvergnügen möchte ich Ihnen auf keinen Fall verderben. Vielleicht nur das Eine an dieser Stelle: Der Filmverlauf orientiert sich nicht an den gängigen Hollywood-Klischees. Und Sie dürfen die ein oder andere, unerwartete Wendung erwarten.

Hier können Sie sich ein Feature über die Handlung des Films ansehen (Einbettung über YouTube: Bitte beachten Sie, dass Sie das Video nur ansehen können, wenn Sie den Cookies auf dieser Webseite zustimmen. Bei Ansehen des Videos werden Cookies von YouTube gesetzt. Falls Sie das nicht möchten, sehen Sie sich den Trailer bitte nicht hier an.):

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Der Stil des Films: Beeindruckende Bilderwelten und überzeichnete Figuren

Der Film „The Dressmaker“ ist anders. Die Regisseurin Jocelyn Moorhouse kreiert eine Location, die farbloser und trister nicht sein könnte.

Dort hinein setzt sie Charaktere, die fast schon archetypisch zu nennen sind:

Die arrogante, elitäre Schnepfe, die boshaft tratschenden Weiber, die graue Maus, die – einmal an der Macht geschnuppert – zur gefährlichen Sirene mutiert, der vermeintlich strenge, gnadenlose Polizist, der nur heimlich schwach werden darf, der skrupellose Fremdgeher, der Frauen unterdrückt und benutzt, um sich selbst stark zu fühlen und – nicht zu vergessen – der bodenständige, prachtvoll gebaute Naturbursche, der jedoch gleichzeitig so feinsinnig und kultiviert daherkommt, dass sich jede Frau sofort in ihn verliebt.

Ich könnte diese Aufzählung fortsetzen, aber ich denke, Sie sehen, worauf ich hinaus will:

Die Geschichte wird von Figuren bevölkert, die so überzeichnet sind, dass das Ganze fast zu einer Film-Groteske mutiert.

Inmitten dieser Filmfiguren changiert Kate Winslet charakterlich zwischen dem sexy Vamp, der gnadenlosen Rachegöttin, der talentierten, geschäftstüchtigen Mode-Designerin, der fürsorglichen Tochter und einem hilflosen Mädchen, das einst der Spielball einer mobbenden Dorfgemeinschaft war.

Wäre es nicht Kate Winslet – jede andere Schauspielerin würde an diesem Repertoire wohl scheitern…

Tilly bringt mit ihrer Schneiderkunst Farbe in die Einöde - und macht so manche Protagonistin zur Femme Fatale.

Tilly bringt mit ihrer Schneiderkunst Farbe in die Einöde – und macht so manche Protagonistin zur Femme Fatale.

Das eigentlich Faszinierende des Films – neben der ungewöhnlichen Handlung und den noch ungewöhnlicheren Figuren – ist jedoch seine Farben- und Bilderwelt. Diese rückt die kräftigen Farben, wunderbaren Stoffe und grandios-theatralischen Mode-Entwürfe in den Mittelpunkt der Wahrnehmung.

Die ausufernde, temperamentvolle, zutiefst sexy-feminine Opulenz, die sich vor einem verstaubten, trostlosen Hintergrund entwickelt, macht den Film lebendig. Weder der Zuschauer, noch die Filmfiguren können sich dieser Wirkung entziehen.

Der Film „The Dressmaker – die Schneiderin“ ist eine Art 50er-Jahre Kostümfilm im Setting einer australischen Einöde. Allein das macht ihn schon fast absurd- und sehenswert zugleich.

Ein Film über zeitlose, menschliche Konflikte, Leidenschaft und die Wirkung von Mode

Auf seine ganz eigene, ans Groteske erinnernde Art zeichnet der Film einige der typischen Konflikte des Menschseins nach.

Es geht um den Mutter-Tochter-Konflikt, um Macht und Entmachtete, um gesellschaftliche Akzeptanz und Außenseitertum. Es geht um echtes Können und Möchtegern-Attitüden. Es geht um Liebe, Hass und Verzweiflung, Begehren und Betrug, seelische Grausamkeit und körperliche Gewalt. Es geht um Scheinheiligkeit, Unschuld, Schuld und Sühne.

All das wird verwoben mit einer zentralen Aussage des Films: Dass Mode eine ganz eigene Macht über die Menschen besitzt.

Die Macht der Mode wird zum Instrument und Symbol zugleich stilisiert. Das Schneiderhandwerk bringt Mutter und Tochter wieder zusammen. Die schönen Stoffe und Designs wirken wie ein Katalysator, der unterschiedlichste Leidenschaften und unterschwellige Gefühle ausbrechen lässt.

Das Begehren, dass die richtige modische Verpackung auslösen kann, bricht nicht nur starre gesellschaftliche Strukturen auf, sondern auch das erstarrte Selbstwertgefühl so mancher Protagonistin.

So ist der Film „The Dressmaker“ nicht zuletzt eine Ode an die Mode und an das Können von begnadeten Couturiers. Es ist eine Hommage an das Schneiderhandwerk und an die heute oft vergessene Zeit, in der Frauen ihre Kleidung handfertigen ließen, dabei wertvollste Stoffe und figurgerechte Schnitte zum Einsatz kamen und „Casual Unisex Looks“ noch Fremdworte waren.

Das fragile Zusammenspiel zwischen Kleidung, Emotionen und gesellschaftlichen Strukturen durchzieht die gesamte Handlung wie ein roter Faden. Dieser Faden wird von einer faszinierenden Kate Winslet mit ihrer göttlich-kurvigen X-Figur souverän in teils absolut unerwarteten Mustern verwoben.

Mein Fazit: Dieser Film ist alles andere als gewöhnlich und sehr faszinierend.

„The Dressmaker – die Schneiderin“ ist kein gewöhnlicher Film. Und wenn Sie das klassische Hollywood-Kino oder eine der typischen romantischen Dramen erwarten, werden Sie wahrscheinlich ein wenig enttäuscht.

Wenn Sie sich aber auf wirklich ungewöhnliche Farb-, Bild- und Gefühlswelten einlassen können und Freude an grotesken Figuren und Situationen haben, werden Sie bis zum Schluss fasziniert auf den Bildschirm starren… und vielleicht sogar danach den Inhalt Ihres Kleiderschranks noch einmal mit völlig anderen Augen sehen.

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Diese DVD des Films "The Dressmaker - die Schneiderin" ist sehenswert.

 

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