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Anja, die Schminktante, beim Stil-Interview mit der Modeflüsterin

Quirlig, humorvoll, unangestrengt, aufgeschlossen, direkt, bodenständig, nachdenklich und dabei auch noch höchst professionell – geht das alles zusammen in einer Person? Ja. Geht. Beispielsweise bei der Bloggerin, die ich Ihnen heute im Interview vorstelle: Anja oder die „Schminktante“, wie sie sich selbst nennt, ist eine Institution in Deutschland.

Auf ihrem Blog gibt die Make-up-Artistin (gibt es die weibliche Form von Make-up-Artist überhaupt?) Schmink-Tutorials und Make-up-Tipps vom Feinsten. Und hat keine Angst davor, sich dabei ganz natürlich und ungeschminkt zu zeigen.

Dazu kommen Beiträge zu Lifestyle, Anti-Aging und Mode. Als Frau über 50 geht sie so unbeschwert mit den typischen „Problemchen reiferer Frauen“ um, dass es einfach nur wohltuend ist.

„Ich erinnere mich an jede Menge rote Schuhe.“

Da es im Jahr 2012 nur sehr wenige Frauen über 40 in Deutschland gab, die einen Blog führten, fiel mir damals die Schminktante recht schnell ins Auge.

Sofort gefiel mir der lockere Tonfall auf ihrem Blog, der auf eine unverkrampfte Persönlichkeit deutete, aus der die Worte und Gedanken einfach so heraussprudeln. Sie wissen schon: die Art von unverblümter Direktheit, die so ehrlich ist, dass daraus enge Freundschaften entstehen können.

Als ich schließlich die Person Anja kennenlernte, bestätigte sich meine Ahnung: Langweilig wird es mit dieser Frau niemals!

Als wir 2015 anlässlich eines Ladyblogger-Treffens am Starnberger See zusammenkamen, verstanden wir uns auf Anhieb bestens. Anja sagt dazu:

„Virtuell kennen wir uns schon viel länger als im realen Leben. Live haben wir uns dann das erste Mal in Starnberg getroffen.

Es war heiß und ein wunderbares Wochenende. Ich erinnere mich an ein ausgelassenes Frühstück und jede Menge rote Schuhe.“

Genau so war es. Mit den Ladybloggers organisierten wir damals ein Fotoshooting, bei dem wir alle eine weiße Bluse, eine Jeans und rote Schuhe trugen. Und wir hatten enorm viel Spaß dabei.

Ich erinnere mich auch an einen wunderschönen Sommerabend, an dem Anja und ich den Tag abends auf meiner Terrasse ausklingen ließen. Und dass wir gar nicht aufhören konnten, uns über Gott und die Welt zu unterhalten.

Eine Blogger-Freundschaft war geboren, die bis heute besteht.

Ich freue mich sehr, dass ich Ihnen heute Anja etwas näher vorstellen darf – natürlich nicht, ohne ein paar unserer schönen Kooperationen aus den letzten 10 Jahren zu erwähnen. Tolle Schmink-Tipps inklusive!

Die Schminktante erinnert sic h an viele rote Schuhe beim Ladybloggers-Treffen

1. Wie würdest Du Dich selbst kurz beschreiben und wie bist Du zum Bloggen gekommen?

Ich bin mit großer Leidenschaft seit fast 20 Jahren Makeup-Artist. Immer geradeheraus und (manchmal zu meinem Nachteil) eher wie ein offenes Buch als ein verschlossener Tresor.

Mein Wesen ist das eines unerschütterlichen Optimisten und ich bin mit dem zufrieden, was ich gerade habe – ob es viel oder wenig ist, bleibt dabei ganz gleich.

Ich bin gebürtige Thüringerin, habe in München und Potsdam gelebt. Mein Lebensmittelpunkt befindet sich seit fünf Jahren in Karlsruhe. Dort lebe ich mit meinem Mann – keine Kinder, keine Haustiere.

Wenn ein Makeup-Artist auf eine Party geht und nach seinem Beruf gefragt wird, ist es meist so wie bei einem Arzt: Alle wollen plötzlich einen guten Tipp für dieses oder jenes Zipperlein. Bei mir war es oft die Frage nach dem richtigen Make-up.

Als ich mich zuhause darüber einmal beschwerte, riet mir mein Mann: „Schreib‘ doch darüber…!“

Das war im Jahr 2007. Kurze Zeit später schrieb ich meinen ersten Blogpost – über einen Besuch im Ägyptischen Museum Berlin und die beeindruckenden Kosmetikartikel, die Frauen bereits in der Antike nutzten.

2. Wie würdest Du Deinen Stil mit 3 Eigenschaftsworten beschreiben und welche Vorbilder hast Du?

Lässig, cool und stylish. Aber immer relativ clean, auch wenn’s mal bunt wird. [Anmerkung d. Redaktion: OK, das waren jetzt mehr als drei Worte… ;-)]

Mich inspirieren Menschen rund um mich herum. Ich kombiniere schon immer gerne langlebige Basics mit dem ein oder anderen Trendteil. Früher unüberlegt und kunterbunt durcheinander.

Mit den Jahren und dem Ankommen bei mir selbst hat sich mein Stil gefestigt. Ich mag es clean und lässig. Eher sportlich-elegant als boho-romantisch. Kleidungsstücke dürfen ein schönes Detail haben, z.B. einen besonderen Schnitt.

Heute scrolle ich gerne durch Instagram-Feeds. Mich langweilen dabei die angeblichen Trend-Postings, bei denen junge, viel zu dünne Frauen in übergroßen, untragbaren Kombinationen verschwinden.

Dafür schätze ich durchdachten Stil, der durchaus auch mal etwas gewagt sein kann. Es darf nur nicht zu bemüht aussehen. Das inspiriert mich und lädt mich immer aufs Neue dazu ein, in meinem eigenen Kleiderschrank nach neuen Kombinationen zu forschen.

Tipp: Stil-Harmonie in der Mode

Auch beim Blogger-Projekt „Harmonie in der Mode stand mir Anja mit einem Look Pate für eine stilistische Outfit-Analyse. Dabei spielte ein androgynes, burschikoses Outfit mit kleinen femininen Einschlüssen eine Rolle… Und die Tatsache, dass sich Anja auch gerne einmal bewusst inszeniert.

Das Ergebnis lesen Sie in der Modeflüsterin-Bibliothek (mit Bibliotheksausweis).

Anja ist ein burschikoser Typ mit femininen Akzenten.

3. Gibt es eine bestimmte Art, wie Du Farben und Muster in Deinen Looks einsetzt?

Cleane und eher schlichte Looks mit einem schönen Accessoire sind voll Meins.

Ich liebe Blau in fast allen Varianten, Creme- und Kamel-Töne, helles Grau und Weiß. Dazu Farbtupfer in klaren Leuchtfarben: Rot, Pink, Gelb Grün, Orange.

Mit Make-up halte ich es ganz ähnlich: Im Grunde mag ich es clean mit einem gewissen Extra. Mal ist das dann ein Lippenstift in leuchtendem Rot oder Fuchsia, mal ein dicker Lidstrich, mal ein funkelnder Lidschatten.

Muster und ich sind so eine Sache…

Vor einigen Jahren hätte ich strikt maximal Streifen und Punkte zugelassen. Heute kombiniere ich schon mal eine Bluse mit auffälligen Blüten- oder Früchtemotiven und das auch in bunt. Und ich stelle fest, dass sie mir wirklich gut stehen.

Aber es muss alles im Rahmen bleiben, zum Tag und zur Stimmung passen. Neulich dachte ich sogar über einen breit gestreiften Rock in Kombination mit einer Blütenbluse nach – man glaubt es kaum.

Nach zwei Jahren mit wenig bis keinen Kontakten, sucht meine Kreativität offenbar ein Ventil…. 🙂

Tipp: Eine Bluse mit Statement-Ärmeln und ein Ratespiel

Vor ein paar Jahren fragte mich Anja einmal, was an einer Bluse mit Statement-Ärmeln, die sie sich gerade gekauft hatte, nicht stimmt. Kurzerhand machten wir daraus ein Ratespiel und stellten die Modeflüsterin-Leserinnen genau vor diese Frage… In diesem Beitrag können Sie mitraten 🙂

Auch dieses Outfit von damals bestand aus Anjas Lieblings-Farben und -Muster: Blau und Weiß mit Streifen. Und es weist bereits die Stil-Elemente auf, die ihr wichtig sind: Es ist lässig, clean und mit einem extravaganten Schnitt-Detail.

Bluse mit Statement-Ärmeln - Outfit-Analyse - Modeflüsterin - Mode, Stil und Well-being für starke Frauen 40 plus

4. Was magst Du in Sachen Make-up und Frisur am liebsten? Was würdest Du anderen Frauen über 50 raten?

Für mich ist es wichtig, dass meine Haut strahlt und gesund aussieht. Das ist die perfekte Basis.

Dafür tue ich auch viel: Regelmäßige, gute Hautpflege, Peeling und Maske, Sonnenschutz, viel trinken, ausreichend schlafen und ein gesunder Lebensstil gehören dazu. Auch wenn es nach Klischee klingt – es ist eine Tatsache.

Wenn die Haut mal nicht so will wie ich, hilft mir pflegende Foundation zu einem ebenmäßigen Teint. Etwas Mascara, Rouge oder Bronzer und schon stimmt’s wieder.

Auf Mascara verzichte ich tatsächlich fast nie. Mein heißer Tipp dazu: „eye level“ von gitti oder „Supra Volume“ von Clarins!

Und was die Frisur angeht… Da hätte ich früher einen ganzen Katalog heruntergebetet: Pippi-Langstrumpf-Zöpfe waren für mich ein No-go. Und viele Frisuren, die ich an Frauen über 50 unvorteilhaft fand.

Mittlerweile rate ich jeder Frau: Mach das einfach, wie Du Dich wohlfühlst! Es geht einzig um das eigene Wohlgefühl und nicht darum, wie irgendetwas ab einem bestimmten Alter zu sein hat oder nicht. Wer bestimmt so etwas?

Wenn jemand direkt nach Rat fragt, empfehle ich immer Frisuren, die in Form und Farbe zu Gesichts- und Körperform passen und ein bisschen auch das Wesen der Person widerspiegeln. Frisuren sollten natürlich und gepflegt sein.

Schade finde ich, wenn sich Frauen im reiferen Alter unsichtbar machen und sich gar nicht mehr um sich kümmern.

Tipp: Schmink-Anleitung für Frauen über 50

In einem Interview bei der Modeflüsterin vor ein paar Jahren verriet Anja ihre besten Schmink-Tricks für Frauen ab 50. Allen voran: Wie Sie Schlupflieder schminken und wie Sie Ihre Lippen voller wirken lassen.

Das Interview und beide Anleitungen finden Sie in diesem Beitrag in der Modeflüsterin-Bibliothek:

Die besten Makeup-Tricks für Frauen über 50

 

5. Gibt es ein absolutes Lieblings-Kleidungsstück, ohne das Du Dir ein Modeleben nicht vorstellen kannst?

Da bin ich voll der Lemming: Ohne eine gute Jeans wäre alles nix! [Anmerkung d. Redaktion: In Wikipedia wird der Lemming-Effekt als „Mitläufereffekt“ erklärt.]

Dabei wechselt meine Vorliebe zwischen den Schnitten – mal eng, mal weit, mal auf der Hüfte, mal höher… Lässige Boyfriend-Schnitte sind mir die liebsten.

Dazu passen Sweater und Shirts genauso wie eine edle Bluse, Sneakers genauso wie Pumps oder Flats, ein Trenchcoat genauso wie ein Blazer oder eine Lederjacke.

Mit der richtigen Jeans geht einfach immer alles!

Anja in Jeans und Sweatshirt mit Sneakers

6. Wie sieht das bei Accessoires und Make-up aus? Hast Du ein Lieblings-Accessoire oder ein bestimmtes Make-up, ohne das Du nicht aus dem Haus gehst?

Tatsächlich gibt es das gar nicht. Ich sammle weder Taschen noch Schuhe noch Lippenstifte. Ich gehe geschminkt und ungeschminkt auf die Straße.

7. Wie stellst Du ein Outfit zusammen? Welche Rolle spielt dabei Deine Stimmung?

Das ist bei mir eine Frage der Tagesform. Manchmal stehe ich vor meinem vollen Kleiderschrank und finde alles langweilig. An einem anderen Tag weiß ich genau, wonach ich greifen muss.

Mein Outfit muss zur Grundstimmung passen:

Manchmal brauche ich es gemütlich. Dann passt eine Jogpant aus einem guten Material perfekt zum Kaschmirpulli oder zum Tanktop mit Cardigan. Manchmal weiß ich morgens schon: Heute brauche ich Farbe. Oder ein Kleid. Oder ein Outfit Ton-in-Ton.

An Tagen, an denen ich unschlüssig bin, endet mein Look auch immer eher langweilig in Jeans und Sweater. Ich bin ein Bauchmensch – das zeigt sich auch immer an meinen Outfits und der Art, wie ich sie zusammenstelle.

Anders ist das, wenn ich unterwegs bin. Dann plane ich meine Outfits. Denn das spart am Ende Zeit und viel Gepäck 😉

8. Gibt es etwas, das Du als Frau über 40 heute nicht mehr trägst und würdest Du das auch anderen Frauen raten?

Auch hier denke ich, dass jeder tragen darf, worin er/sie sich am wohlsten und schönsten fühlt. Man sollte betonen was man an sich mag und kaschieren, was einem selbst nicht gefällt.

Wie Andere über den eigenen Kleidungsstil urteilen, sollte einem egal sein. Insbesondere wir Frauen machen immer noch viel zu viel, nur um anderen zu gefallen – und nicht für uns selbst.

Ich höre inzwischen viel mehr auf meine innere Stimme und bin sehr dankbar dafür, dass sie milde mit mir ist.

Früher hatte ich immer Angst davor, dieses oder jenes nicht mehr tragen zu können, weil ich irgendwann zu alt dafür sei. Beispielsweise hüfthohe Skinny Jeans oder Bikinis.

Glücklicherweise mag ich diese Sachen jetzt auch gar nicht mehr an mir. Ich stelle aber trotzdem fest, dass man sich auch mit über 50 noch stylish kleiden kann und dass das sogar Spaß macht.

Tipp: Festliches Make-up in 5 Minuten

Bei unserer Blogger-Kooperation zum Thema „Weihnachts-Outfit“ zeigte Anja den Modeflüsterin-Leserinnen, wie ein gelungenes 5-Minuten-Make-up für Frauen über 50 aussieht. Und zwar Schritt für Schritt und in zwei Varianten: für Frauen, die sich ansonsten nie oder nur ganz wenig schminken und Frauen, die durchaus auch mal gerne mehr auftragen.

Nachzulesen in der Modeflüsterin-Bibliothek (Interview öffentlich, Make-up-Anleitung leider nur mit Bibliotheksausweis).

Festliches Makeup für Frauen 50 plus - Schritt-für-Schritt-Anleiutng für Anfänger und Fortgeschrittene

 

9. Wenn die Leserinnen in Deinen Kleiderschrank oder Badschrank schauen dürften: Was würden sie sehen?

Meine Freundin Bianca nennt es „Friede im Kleiderschrank“. 🙂

Das heißt: Inzwischen ordnen sich meine Kleidungsstücke auf einheitlichen Bügeln von links nach rechts von Jacken/Blazer über Hosen und Kleider bis hin zu Blusen. Die Blusen sind dann auch farblich sortiert.

Rundherum herrscht aufgeräumtes Chaos.

Mein Traum ist ja ein Ankleidezimmer – eine Seite für meinen Mann und eine Seite für mich. Leider ist das dafür vorgesehene Zimmer inzwischen das Büro meines Mannes, weshalb ich einfach noch ein bisschen weiter träume.

Im Badezimmerschrank wird regelmäßig ausgemistet. Durch meinen Beruf als Make-up-Artist, Bloggerin und Influencerin bekomme ich unfassbar viele Produkte zu Testzwecken geschickt.

Früher war es ein wildes Sammelsurium. Heute findet man darin zunehmend hochwertige Natur- und Wirkstoffkosmetik.

10. Gibt es noch irgendetwas, das Du den Leserinnen mitgeben möchtest, das Dir wichtig ist?

Bleibt bei Euch selbst und hört auf Eure innere Stimme! Seid milde mit Euch!

Es ist egal was andere sagen. Schön ist, was Euch an Euch selbst gefällt!

Anja alais die schminktante bei der Modeflüsterin im Interview

Liebe Anja, vielen Dank für dieses Plädoyer für mehr weibliche Selbstliebe und modische Selbstbestimmung! Das unterschreibe ich sofort. Jetzt muss Frau nur noch herausfinden, was ihr selbst gefällt… 😉

Schön finde ich, dass Du vorlebst, wie sich eine Frau immer mehr im Lauf des Lebens von äußeren Einflüssen frei machen und stilistisch das ausleben kann, was sie will und was ihr Spaß bereitet.

Da ist dann doch eine große Portion Pippi-Langstrumpf-Feeling dabei 😉

Ich bin schon gespannt, wie sich das bei Dir als optimistischem Bauchmenschen weiter entwickeln wird. Und natürlich, welche weiteren, tollen Beauty- und Schminktipps Du uns Frauen über 50, 60 und 70 noch an die Hand geben wirst.

Ein dickes Dankeschön für Deine fröhlichen Aus- und Einblicke darauf, wie es funktioniert: ganz unbeschwert zu reifen und dabei sich selbst immer näher zu kommen!

Liebe Leserin, welche weiteren Gedanken zum Interview würden Sie gerne mit den Leserinnen hier teilen? Anja und ich freuen uns auf Ihren Kommentar!