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Der Wert von Kleidung ist höchst subjektiv - auch von Investment-Pieces.

Eine persönliche Betrachtung zu „Investment-Pieces“.

Der Wert von Kleidung ist für jede Frau anders. Sie können Ihrer Kleidung recht wenig Wert beimessen, sich nicht damit beschäftigen und insgesamt dafür eher weniger Geld ausgeben.

Oder Sie können Kleidung, Schuhe und Taschen wichtig nehmen, sich ausgiebig damit beschäftigen und sich besonders hochwertige Stücke zulegen.

Zwischen diesen beiden Polen sind alle Kombinationen möglich.

Eine einheitliche Bewertung von Mode gibt es nicht. Oder doch?

Sie wissen, dass ich die Bedeutung von Mode immer wieder einmal hinterfrage. So geschehen im Beitrag „Wie wichtig ist Mode wirklich?“ oder in meiner kleinen „Mode-Philosophie“.

Neulich wurde ich wieder zum Nachdenken angeregt, als ich zufällig über zwei sehr interessante Artikel auf der englischen Coupon-Plattform WeThrift gestoßen bin.

Darin geht es um den Wiederverkaufswert von bestimmten Luxus-Kleidern und Luxus-Handtaschen – also darum, ob solche Güter eine gute Wertanlage sind.

Kleidung und Taschen einmal ganz anders, ausschließlich ganz rational als Wertanlage oder Investment zu betrachten – diese Perspektive finde ich spannend.

Denn für mich haben Kleidungsstücke und Accessoires vor allem einen persönlichen, emotionalen und einen ganz praktischen Wert.

Ich möchte darin attraktiv aussehen und mich wohlfühlen. Und ich möchte, dass die Kleidung mich im Alltag unterstützt.

Was aber passiert, wenn Sie den Blickwinkel ändern und Mode mit der Investoren-Brille betrachten?

Lassen Sie uns das gemeinsam herausfinden…

Der Wert dieser Valentino-Robe ist hoch.

Hier sehen Sie die OSCAR-Gewinnerin Julia Roberts 2001 in einer Traumrobe von Valentino aus Samt und Satin. Damals wurde das Kleid auf ca. 95.000 US-Dollar geschätzt. Heute wäre es ca. 120.000 US-Dollar wert. Das entspricht einem Wertzuwachs von 26%. (Foto: Shutterstock; kindly provided by JBH – The Digital PR Agency)

Prolog: Die Modeflüsterin sortiert aus.

Dazu möchte ich Ihnen eine kleine Vorgeschichte erzählen.

Denn im letzten Jahr habe ich mich im Rahmen einer umfassenden Kleiderschrank-Inventur von sehr vielen wunderschönen Kleidungsstücken und Schuhen getrennt.

Mein Körper hatte sich verändert, meine Bedürfnisse ebenso und ich wollte mein Leben insgesamt vereinfachen. Ich wollte einfach mit weniger Ballast durchs Leben gehen.

Dabei bin ich in drei Stufen vorgegangen:

  • Zuerst habe ich die aussortieren Teile an gute Freundinnen verschenkt – sofern es figürlich und stilistisch passte.
  • Weitere besonders hochwertigen Teile von Luxusmarken habe ich bei Rebelle online verkauft.
  • Die restlichen, sehr gut erhaltenen Teile habe ich an ein Sozial-Kaufhaus gespendet.

Meine Erfahrung dabei war sehr unterschiedlich:

Einer guten Freundin eine große Freude bereiten zu können und ein ehemaliges Lieblingsteil in guten Händen zu wissen, machte mich glücklich.

Wir haben gemeinsam vor dem Kleiderschrank herumprobiert, alles Mögliche kombiniert und hatten dabei viel Spaß! Zu wissen, dass ein Lieblingsteil weiter geschätzt wird, ist einfach nur schön.

Die Teile ins Sozial-Kaufhaus zu geben, erfüllte mich mit Dankbarkeit – dafür, dass es mir gut geht und ich dadurch anderen helfen kann.

Ich dachte an die Menschen, die mit meinen aussortierten Stücken vielleicht das erste Mal so richtig hochwertige Kleidung tragen können. Und wie sie sich dabei fühlen. Vielleicht kann einer meiner Blazer einer Frau zu einem Job verhelfen. Oder die Füße einer anderen Frau können endlich in einem tollen Schuh aufatmen.

Der Verkauf bei Rebelle machte mich hingegen traurig. Denn dort werden Top-Luxus-Teile, die nicht oder kaum getragen sind, für so ein geringes Entgelt wiederverkauft, dass es weh tut.

Oder sie bleiben in der Auslage liegen – ungewollt, unbeachtet von den vielen Schnäppchenjägern.

Mir wurde auf diese Weise die relative Wertlosigkeit von getragener Kleidung – selbst wenn sie in bestem Zustand ist – eindringlich vor Augen geführt.

Reese Witherspoon in einer Dior-Robe.

Reese Witherspoon nahm 2006 ihren Oscar in einem über und über mit Perlen bestickten Vintage-Kleid von Dior aus dem Jahr 1955 entgegen. Dior gehört zu den Ikonen der französischen Modeschöpfer und sein Kleid ist ein echtes Museumsstück. Damals wurde es für 12.000 US-Dollar verkauft. Heute wäre es ca. 37.500 US-Dollar wert. Das entspricht einer Wertsteigerung um 212%. (Foto: Shutterstock; kindly provided by JBH – The Digital PR Agency)

Mein persönliches Fazit der Second-Hand-Aktion steht daher fest:

Das nächste Mal werde ich meine aussortierte Kleidung lieber komplett verschenken.

So erhalten die Stücke auch beim Weitergeben einen emotionalen Wert – für mich und für eine andere Frau, die sich zukünftig an den Stücken erfreuen kann.

Und ich erspare mir die Enttäuschung festzustellen, dass meine ehemaligen Lieblinge auf dem Markt so gut wie nichts mehr wert sind.

Denn wenn diese Erfahrung etwas zeigt, dann ist es Folgendes:

Der handelbare Investment-Wert ist selbst bei ungetragener Second-Hand-Kleidung in der Breite so gut wie nicht vorhanden – wenn Sie ihn ganz rational am Wiederverkaufswert bemessen.

Natürlich bleibt hierbei unberücksichtigt, dass es sicherlich irgendwo auch eine Käuferin bei Rebelle gibt, die sich darüber freut, ein echtes Schnäppchen gemacht zu haben.

Der Handel als solcher ist jedoch ein emotional schlechter. Denn der große monetäre Wertverlust wird dabei offensichtlich – zu offensichtlich für meinen Geschmack.

Die luxuriösen Ausnahmen von der Regel

Natürlich ist die obige Erkenntnis nicht in allen Fällen absolut richtig. Denn die oben erwähnten Veröffentlichungen von WeThrift zeigen, dass Mode sehr wohl ein Investment sein kann.

Im ersten Beitrag geht es um den Wiederverkaufswert von Luxus-Roben, die bei der Oscar-Verleihung an Filmstars zu sehen waren und auf dem roten Teppich Furore machten.

Solche Kleider haben heute Sammlerwert. Sie werden von Fashion-Profis deutlich höher als Ihr Anschaffungswert taxiert und landen bei Superreichen oder gleich im Museum.

Gwyneth Paltrow in einer rosa Ballrobe

Wer könnte sich nicht an die rosa Taft-Ballrobe von Gwyneth Paltrow erinnern, die sie bei der Oscar-Verleihung 1999 trug? Das wertvolle Stück stammt von Ralph Lauren und wurde damals auf 120.000 US-Dollar geschätzt. Heute liegt es bei ca. 172.500 US-Dollar – ein Wertanstieg um 44%. (Foto: Shutterstock; kindly provided by JBH – The Digital PR Agency)

Im zweiten Artikel geht es um Luxus-Taschen. Dabei gibt es ein paar wenige, berühmte Modelle, die fast jedes Traum-Investment mit einer bis zu dreistelligen Rendite in den Schatten stellen.

Und dann gibt es natürlich auch bestimmte Schmuckstücke, deren Wertigkeit unbestritten ist – alleine schon durch den Materialwert oder die limitierte Auflage.

Bei solchen Preissteigerungen geht es um das Zusammenspiel von einem exklusiven Kreis aus Liebhabern und einigen wenigen Luxus-Marken, die höchste Handwerkskunst, angewandte Kunst oder Spitzen-Design bieten.

Ähnlich wie auf dem Kunstmarkt bestimmen einige wenige Big Player, welcher Designer bzw. Hersteller und welches seiner Werke in welcher Preiskategorie gehandelt wird.

Dazu können einige wenige Medienstars einen Hype um ein bestimmtes Kleid oder ein Taschen-Modell erzeugen, sodass die Begehrlichkeit der Sammler zusätzlich steigt.

Die begehrtesten Taschen erreichen gute Renditen.

Hier sehen Sie, welche Taschen wirklich werthaltig sind. Die Plattform WeThrift hat 30 Top-Designer-Handtaschen hinsichtlich ihres Einkaufs- und Wiederverkaufswertes auf Luxus-Second-Hand-Plattformen, wie Farfetch, Vestiaire Collective und The Handbag Clinic analysiert. Nur 6 Taschen konnten ihren Wert steigern. Die Mini-Kelly-Bag von Hermes aus dem Jahr 1991 hat mit 468% die höchste Wertsteigerung erfahren. Gefolgt von der ikonischen Chanel-Bag 2.55, die immerhin noch auf ein Plus von 104% kommt. (Grafik: JBH – The Digital PR Agency)

Bis zu einem gewissen Grad können auch „normale“ Frauen – vielleicht am ehesten Fashionistas mit Liebhaber-Gen und genügend Kapital – dieses Spiel mitspielen.

Jeder, der dazu bereit ist, eine Tasche für 5.000 bis 30.000 Euro zu kaufen, gut vor Staub geschützt ins Regal zu stellen und darauf zu setzen, dass genau dieses Modell in ein paar Jahr(zehnt)en doppelt oder dreifach so viel wert ist, kann seine Jetons gerne auf dem Roulette-Tisch der Mode setzen.

Die meisten anderen werden wohl eher meine Erfahrung und die Erkenntnis von oben teilen.

Was bedeutet das alles für den Wert Ihrer Kleidung?

Sie sehen, es ist gar nicht so leicht, den Wert von Kleidung oder Accessoires zu bestimmen.

  • Da gibt es den emotionalen Wert für die Trägerin: Jeden Tag gut auszusehen und sich wohlzufühlen, ist eigentlich unbezahlbar.
  • Der emotionale Wert der geteilten Freude ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Die Gewissheit, jemandem eine Freude zu machen, wenn Sie etwas verschenken oder weitergeben, ist ein zutiefst befriedigendes Gefühl.
  • Und dann gibt es da den Marktwert: Was ist das gute Stück auf dem Markt (noch) wert?

Letzteres ist nur in Ausnahmefällen und bei Sammlerstücken wirklich positiv. Nur dann, wenn es sich um ein echtes – monetäres – Investmentstück handelt, können Sie mit einem Werterhalt oder sogar einer Wertsteigerung rechnen.

Der Wert jeglicher anderer, „normaler“ Kleidung, von Schuhen oder Taschen verfällt schneller als Sie einen gekauften Neuwagen auf die Straße fahren können.

Eine Gucci-Robe an Charlize Theron.

Diese Gucci-Robe, die Charlize Theron 2004 bei den Osacr-Awards trug, ist einer echten Hollywood-Diva aus den 50er Jahren würdig. Gekostet hat das gute Stück 120.000 US-Dollar. Heute wäre es ca. 180.000 US-Dollar wert. Das ist eine Wertsteigerung um 50%. (Foto: Shutterstock; kindly provided by JBH – The Digital PR Agency)

Die Konsequenz daraus ist für mich eindeutig und eine Bestätigung meiner Philosophie als Modeflüsterin:

Der größte Wert Ihrer schönsten, liebsten Kleidung, Ihrer besten Schuhe, Ihrer hochwertigsten Taschen entsteht dadurch, dass Sie sie möglichst häufig tragen und sich dabei einfach nur herrlich fühlen.

Solche zahlreichen Trage-Anlässe für Ihre Lieblinge, die Ihnen das „Diva-Gefühl“ geben, stellen die größte Wertschöpfung aus Ihrem Kleiderschrank-Bestand dar. Es sind die echten „Investment-Pieces“.

Darüber hinaus ergibt sich vielleicht noch eine nachgelagerte emotionale Wertschöpfung durch Verschenken.

Alles andere ist Wertverlust. Und zwar in der ersten Sekunde nach dem Kauf.

Denn objektiv haben die meisten Teile nur für einen ganz kurzen Mikro-Moment in ihrem Dasein ihren maximalen Marktwert: beim Kauf.

Danach hat Kleidung, haben Schuhe und Taschen nur noch den Wert, den Sie ihr geben – geben können, geben wollen. Durch häufiges Tragen über viele Jahre. Durch den Beitrag eines jeden Stücks zu Ihrem täglichen Mode-Glück.

Das ist der eigentliche Wert Ihrer Kleidung – individuell, subjektiv und dennoch unermesslich.

Ich bin gespannt, Ihre Gedanken zu diesem Thema zu erfahren! Was denken Sie über den Wert von Kleidung? Wie schätzen Sie ihn ein? Welche Schätzchen sind Ihre wahren Investment-Pieces?